St. Anna und St. Katharina - Kirche am Lutherweg

Sehenswerte Besonderheiten

Neben erhabener Salkralarchitektur und einem üppig im Barockstil gestalteten Innenraum lockt die Gützer Kirche auch durch einige während der Sanierungsarbeiten zu Tage geförderten Besonderheiten.

Die Gützer Weihekreuze

Entdeckung unter dem jahrhundertealtem Putz


Als unser Vereinsfreund Reimund Kodera im Oktober 2009 bei Sanierungsarbeiten im Kirchenschiff den maroden Putz von den Wänden des Chorraumes spachtelte, mahnte ihn ein plötzlich aufblitzender roter Farbton zur Vorsicht. Tatsächlich entdeckten wir unter den jahrhundertealten Schichten die Darstellungen zweier mittelalterlicher Weihekreuze.


Sowohl für die Mitglieder unseres Fördervereins als auch für die Institutionen, die sich im mitteldeutschen Raum mit der Denkmalspflege beschäftigen, ist diese Entdeckung eine kleine Sensation. Während sie in anderen Gegenden teilweise noch zu finden sind, hatte man die Kreuze hier im Zuge der Reformation zumeist komplett entfernt. Wir Vereinsmitglieder waren natürlich vollkommen überrascht, nach so vielen Jahren unserer Arbeit noch auf so einen Fund zu stoßen, da ja die Erneuerung des Innenputzes im Kirchenschiff bereits fast abgeschlossen war.

Der Denkmalschutz wurde informiert und im Internet folgte eine Recherche. Weihekreuze wurden im Mittelalter zur Einsegnung des Gebäudes angebracht. Interessant ist auch, dass es sich um zwei unterschiedliche Varianten handelt. Das rechte der beiden Weihesymbole zeigt das päpstliche Kreuz. Bei dem linken Kreuz ist man sich über die Bedeutung noch nicht im Klaren.

(auszugweise entnommen einer Veröffentlichung im Landsberger Echo 12/2009)

Der Gützer Orgel-Blasebalg

Nachrichten aus dem 18. Jahrhundert


Beim Aufräumen und beim Schaffen der Baufreiheit im Kirchturm fanden unsere Mitglieder mehrere Teile des Blasebalgs der 1779/1783 eingebauten Orgel. Die Orgel war bereits 1917 mit der Demontage der Prospektpfeifen ( lt. M.u.A. Messerschmidt) nicht mehr genutzt wurden. Die Wiederherstellung scheiterte und der Verfall nahm seinen Lauf. Der Vandalismus in der DDR – Zeit führte dazu, dass bis auf wenige Holzpfeifen und eben diese recht schweren Blasebalgteile alles zerschlagen und entwendet wurde.

Die Blasebalgteile in den Abmessungen von ca. 2,50 m x 1,5 m waren eigenartig gestaltet, in dem die eigentlichen Trennwände zwischen den Kammern mit zunächst nicht lesbaren Schriften, Zeichnungen, Quittungen und sonstigem Briefen und Dokumenten überklebt waren. Die Art ließ uns darauf schließen, dass hier mit diesem Papier und gutem „Knochenleim“ von jemanden versucht wurden war, die Trennwände wieder komplett abzudichten.


Die in altdeutscher Schrift, später Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Sütterlinschrift, abgefassten Schriften, könnten uns dabei helfen, die Fragen zum Zeitpunkt und dem Ausführenden der Reparatur zu beantworten. In wochenlanger Kleinarbeit unseres Vereinsmitglieds Roswitha Lautenschläger, die sich seit Jahren intensiv mit Übersetzungen von Sütterlinschriften beschäftigt, konnte weitestgehend Klarheit über Inhalte, der bei der Reparatur verwendeten Papiere gewonnen werden. Gleichzeitig führten uns die eingangs angedeuteten Historien und ihre Zusammenführung zu einem überraschenden Ergebnis.

Im weiteren sollen nun aus den Inhalten der verwendeten Schriftstücke, dieses oder jenes Detail aus der Familiengeschichte des Orgelbauers aufgegriffen und bekannt gemacht werden.

Sechs gestaltete Wandtafeln, die in der Gützer Kirche ausgestellt sind, bieten bereits erste Einblicke.

Hintergrundinformation zum Orgelbau in Gütz (M. & A. Messerschmidt)