St. Anna und St. Katharina - Kirche am Lutherweg

721 Jahre Gütz – 1287 bis 2008 (M. & A. Messerschmidt)

„Gütz hat unter vielen Dörfern den Vorzug, daß es in einem an vorgeschichtlichen Funden reichen Gebiet liegt und viele Boden-altertümer sammeln durfte. Außerdem steht in seiner Gemarkung ein altheiliger Opferstein, der als Naturdenkmal geschützte Teufelsstein. Beides trug dazu bei, daß Gütz ein Wappen mit der altgermanischen Spange (Bodenfunde Museum) und dem Hammer des Wetter- und Bauerngottes Donar (Teufelsstein) verliehen bekam.“ Das Gützer Wappen, erarbeitet von Bernhard Brühl

Mitte des I. Jahrtausends besiedeln Sorben (Wenden) das frei gezogene Gebiet zwischen Elbe und Saale. Nach vielen Kriegen werden sie im 10. Jh. vom deutschen Feudaladel besiegt, die Sorben ziehen sich nach Osten zurück, ein Teil bleibt hier, wird assimiliert. Fränkische und sächsische Fürsten herrschen jetzt.

Gütz gehört bis 1815 zu Sachsen. Das verliert auf dem Wiener Kongress infolge seiner Allianz mit Napoleon den größten Teil seines Territoriums an Preußen, es entsteht die preußische Provinz Sachsen, u.a. mit dem neu gebildeten Kreis Delitzsch und dem benachbarten Saalkreis.

Mitte des I. Jahrtausends besiedeln Sorben (Wenden) das frei gezogene Gebiet zwischen Elbe und Saale. Nach vielen Kriegen werden sie im 10. Jh. vom deutschen Feudaladel besiegt, die Sorben ziehen sich nach Osten zurück, ein Teil bleibt hier, wird assimiliert. Fränkische und sächsische Fürsten herrschen jetzt. Gütz gehört bis 1815 zu Sachsen. Das verliert auf dem Wiener Kongress infolge seiner Allianz mit Napoleon den größten Teil seines Territoriums an Preußen, es entsteht die preußische Provinz Sachsen, u.a. mit dem neu gebildeten Kreis Delitzsch und dem benachbarten Saalkreis. Gütz und seine Ortsteile: 1. Gütz. Ersterwähnung 1287  Chutiz, 1349/50 Juticz, Jutschicz, 1445 Jucz, 1570 Gutz, 1653 Geutz, 1753 Gietz, 19./20. Jh. Guetz/Güetz. Der Ortsname ist slawisch, wahrscheinlich vom Personennamen „Chut/Gut/Jut“ (g und ch  im An-laut wurden als j eingedeutscht); evtl. auch Ableitung vom Gaunamen Chutizi (bei Leipzig) ? Der Ortsname Güetz ähnelt in Sütterlin-Schrift Quetz, was zu Fehlzustellungen durch die Post führ-te. Lehrer Brühl erreicht, dass der Ortsname ab 1930 offiziell Gütz lautet. Einwohner. 1819: 62 (in 14 Häusern);  1925: 137;  2005: 1315. 2. Roitzschgen. Ersterwähnung 1380 Cleinen Boecz, 1454 Rotschen, 1550 Rötschgen. Der Ortsname ist slawisch, deutet auf eine kleine Befestigungsanlage hin. (Die Erwähnungen  ro-gaz (1043), Rogaze (1211) sollen sich auf Roitzsch/Krs. Bitterfeld beziehen.) Einwohner. 1819: 59 (in 6 Häusern), 1925: 294 (mit Düringsdorf u. Heiligendorf) 3. Düringsdorf. Ersterwähnung 1349/50  Duringsdorf, 1404 Doringisdorff, 1570 Düringsdorff. Der Ortsname ist deutsch, von einem alt-, mittelhochdt. Personennamen Durinc zum Stammesna-men Thüringer. Einwohner.1851: ca. 60 (in 7 Häusern). 4. Heiligendorf. Ersterwähnung um 1270. Der Ortsname ist deutsch, von mittelhochdt. heilic/heilec (heilig) „zum heiligen Dorf“. Es war ein kirchliches Ausstattungsdorf, bestand aus einer Häuserzeile zwischen Gützer Kirche u. Strengbach. 5. Piltitz. Ersterwähnung 1442 Biltcz, 1753 Pilitz, 1567 Bilß. Der Ortsname ist slawisch – evtl. vom altsorbischen Belotici – „Leute eines Belota/Beleta“. P. wird im Mittelalter wüst. 1567 baut der Landsberger Martin Grunne ein Haus „zu bilß“. Seit der Zeit, mindestens ab 1753, ist der Ort eine Wöllser Abbaue (Colonie) ohne Bauern. 1851  8 Häuser. 6. Wölls-Petersdorf gehört politisch ab 1936, kirchlich mindestens ab1585 (Beginn der Kirchenbü-cher) zu Gütz, ab 1950 jeweils zu Spickendorf. Einwohner 1923: 355 (einschl. Piltitz u. Zschiesd.) Kommunalreformen. Im 19. Jh. werden Düringsdorf u. Heiligendorf in Roitzschgen eingemeindet. Im April 1936 schließen sich Gütz, Roitzschgen, Wölls-Petersdorf zur Gemeinde Gütz zusammen. Mit der Kreisreform 1950 kommen Teile des Kreises Delitzsch zum Saalkreis. Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Landsberg und der Gemeindevertretung Spickendorf am 22./23.6. 1950 wird Gütz (einschl. Piltitz) Ortsteil von Landsberg, Wölls-Petersdorf von Spickendorf. 2005 treten Sietzsch, Spickendorf, Queis und Reußen der Stadt Landsberg bei. Wüstungen bei Gütz. Konsdorf, westlich des Ortes, wüst seit dem 16. Jh. Ersterwähnung 1349/50 Konsdorf/Konresdorf, 1404 Cunratstorff, 1570 Consdorff. Der Ortsname ist deutsch – vom mittelhochdt. Personennamen Kuonrat (wird Konradis) und dem Grundwort dorf. Östlich Düringsdorf wird 1991 eine namenlose Wüstung durch Luftbildarchäologie entdeckt. Unser Territorium lag einst im Bereich des Klosters auf dem Petersberg, von Gero erbaut und sei-nem jüngeren Bruder Konrad (der Große) ausgebaut. Der schenkt dem Kloster 1150 u.a. die ihm gehörenden 9 Hufen Land (65 ha) in der Wöllser Mark und den Wöllser Wald. In Welsice/Wölls stand angeblich eine Kapelle, in der ein Mönchpriester die Christianisierung im Wendengebiet vorantrieb. Das Gebäude wurde wohl zerstört. So wird im 13. Jh. eine neue Kirche erbaut, nicht wieder hier, sondern in Chutiz/Gütz, inmitten der vermutlich von Sorben erbauten Wasserburg mit ihren Befestigungen aus Erdwällen und Baumstämmen in dem sumpfigen Gebiet des Strengbaches (Strisice) mit 8 Teichen und einem Wassergraben. Davon werden 5 Teiche nach der Separation (1848) verfüllt (s. Karte). Der Graben und der letzte Erdwall auf dem Friedhof wer-den erst 1886 beseitigt. Die Kirche St. Anna/St. Katharina und der Turm werden mehrfach umgebaut. Die Einrichtungen: Altar (v. 1778), Orgel (1781, nicht mehr vorhanden), Taufstein (18. Jh., zz. in der Kapelle Landsb.), 6 Bleiglasfenster – dav. sind 4 Oberteile (Jesus, Paulus 1910 / Luther, Melanchton1917) sicherge-stellt, 4 Glocken (15./16. Jh.), dav. werden 3 im II. Weltkrieg konfisziert, die große (1488, D=102 cm) kommt 1950 aus dem Glockenlager Hamburg zurück. 1976 gibt die Kirchenbehörde Gebäude und Friedhof auf, Gottesdienst und Bestattungen sind fortan in Landsberg. 1991 wird der neogotische Turm mit Fördermitteln saniert. Auf Privatinitiative wird der Kirchhof erneuert, ist nun wieder eine sehenswerten Ruhestätte. 1997 beginnt mit Gründung des „Förderverein Gützer Kirche e.V.“ (unter Initiative von J. Seidl und derzeitiger Leitung von F. Brinkmann) mit Mitteln der Stadt Landsberg, des Saalkreises, Spenden und viel freiwilliger Arbeit auch die schrittweise Sanierung des zwischenzeitlich stark einsturzgefährdeten Kirchenschiffs. Obwohl noch nicht vollendet, finden bereits wieder kirchliche u. kulturelle Veranstaltungen statt, traditionell im Dezember das Adventssingen, am 1. Juli-Samstag das Gützer Straßenfest. Pfarrhaus und Schulgebäude stehen am Ostrand des Kirchhofs. Letzteres wird 1854 mit Klassen-raum und Lehrerwohnung erbaut und 1887 mit gleicher Kapazität aufgestockt. Die 8-klassige Volksschule besuchen 1887 – 156, 1910 – 180, 1945 – 136 Schüler. Davon kommen  z.B. 1910  aus Gütz 27, Roitzschgen 65 und Wölls-Petersdorf 88 Kinder. Seit 1983 ist in Gütz kein Unterricht mehr, werden alle Schüler in Landsberg beschult. Schulgebäu-de und Pfarre werden nicht mehr gebraucht, sind inzwischen privatisiert. Von 1902 bis 1945 arbeitet in Gütz der Lehrer, Kantor und Heimatforscher Bernhard Brühl. Er initiiert und organisiert den Bau des Jugendheims/Heimatmuseums des Amtsbezirkes Gütz in Peters-dorf (1914/16) und leitet das Haus bis 1954. Für seine Verdienste wird er 1936 als Ehrenbürger ge-ehrt. Seit der Neueröffnung 1959 in Landsberg trägt das Museum seinen Namen. Einen Kindergarten gibt es im Ort schon 1931. Die Kita „Wirbelwind“, seit 1998 in einem Neubau in Düringsdorf untergebracht, besuchen 55 Kinder. Denkmale. Der Teufelsstein liegt am Ortseingang Piltitz’. Der Sage nach will der Teufel auf dem Petersberg die noch unvollendete Kapelle auf dem Landsberger Kapellenberg mit dem Stein zer-stören. Der künftige Mönch des Neubaus vereitelt das durch eine List. Der Schillerstein wird 1906 auf der Kreuzung Gütz – Landsberg (vor der Bäckerei) an einer anläss-lich des 100. Todestages des Dichters (1905) gepflanzten Linde aufgestellt. Er wird nach dem Stra-ßenumbau entfernt und erfolgter Restauration im Jahre 2000 an die Kirchhofsmauer umgesetzt. Der Schwedenring (Trojaburg), 1938/39 von Bernhard Brühl und seinen Schülern angelegt, befin-det sich auf dem Gützer Berg. Die Anlage hat 11 Ringe mit einem Durchmesser von 24 m und einer Gesamtlänge von 400 m. Unweit davon feiern die Einwohner von Gütz und Umgebung alljährlich die Sommersonnenwende nach altem Brauch, ehe sie ab 1933 vom NS-Regime mißbraucht wird. Der Franzosenstein, von Bernhard Brühl gefertigt und am Eingang eines Gutshofes in Düringsdorf aufgestellt, erinnert an einen 1813 hier gestorbenen Offizier der französischen Armee. Die Gedenk-tafel befindet sich zz. im Heimatmuseum Landsberg. Archäolog. Funde/Ausgrabungen um Gütz: 3 Gräber/1 Wohngrube (ehem. Zuckerfabr., 1924), Ur-ne m. Leichenbrand (Roitzschgen, 1909), Urnen (südl. Spitzb.1934), Hügelgrab mit 7 Grabstätten (Spitzberg, 1939),  Hügelgräber m. Steinwerkzeugen (8 Piltitz – Gützer Berg, 2 Piltitz – Wölls, 1833 geöffnet/um 1850 eingeebnet), 12 Warnengräber (Petersdorf, 1922) … – alles im Museum Landsbg. Der Gasthof „Zur grünen Tanne“ mit einem Unterstand für ca. 100 Pferde in der jetzigen Köthener Str., einst Teil der bedeutenden Post- und Handelsstraße Hamburg-Magdeburg-Leipzig (Messe), diente Durchreisenden als Absteige. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verlieren Straße und Gasthof ihre Bedeutung. Das Zollhaus (Einnahme) an der Kreuzung Zörbiger Str./B 100 wird 1937 als Chausseehaus abgerissen. An Stelle des Gasthofes wird 1909 der Grundstein für das Gutshaus Poetsch gelegt. Nach 1950 von der LPG genutzt, 1991 privatisiert und bald aufgegeben, ist es heute einschließlich des Torbogens denkmalgeschützt, nach mehreren Bränden aber einsturzgefährdet. Die Zuckerfabrik Landsberg, 1863 auf Düringsdorfer Territorium an der Eisenbahn erbaut, wird 1946 als Reparationsleistung demontiert. Danach siedeln sich auf dem Gelände der VEB Maschi-nen- u. Apparatebau (MAB), die Maschinen-Ausleih-/Traktoren-Station (MAS/MTS) und die Hal-lesche Stahl- u. Apparatebau Gesellschaft (HASTAG) – nach 1955 verstaatlicht (Transportanlagen und Montagen/TAM) – an, nach deren Abwicklung mehrere neue Unternehmen. Handel und Gewerbe. Das Gasthaus mit Saal und Kegelbahn am Hirtenteich wird durch das Hoch-wasser 1947 so stark beschädigt, dass es abgerissen werden muss. Um 1950 baut dessen Wirt Hen-ze einen neuen Gasthof in Düringsdorf, die heutige Gaststätte „Zur Scheune“. Besucher, die in Gütz einen längeren Aufenthalt planen, können im nach der Wende von J. Seidl errichteten Hotel „Stadt Landsberg“ buchen. Für den täglichen Bedarf kann man in der Bäckerei Willingshofer einkaufen, früher noch bei Fleischer Prautzsch, im Kolonialwarenladen Langner und im Konsum. Auch das Handwerk, u.a. Leineweber, Schmiede, Schuster, Friseur, war ansässig. Die Freiwillige Feuerwehr, 1920 gegründet, unterhält ihr Gerätehaus in der Mitte des Ortes. Eine Pflichtfeuerwehr gibt es mindestens seit 1857 mit einem „Spritzenhaus am Spritzenteich“. Wehrleiter: W.Just,W.Vorster,W.Pantzsch,M. Böttcher, O.Goldstein,J.Rauchfuß,U.Schneider,H.Töpe und z.z. C.Töpe, (s.a. www.landsberg-112.de) Landwirtschaft. Großbauern sind im 20. Jh. in Düringsdorf Poetsch/Vorster, in Roitzschgen Thieme (Pächter Heß, 1921 während der Märzkämpfe erschossen), danach Lösch, in Gütz Pitschk, v. Wu-thenau (Pächter) und in Wölls-Petersdorf Troitzsch und Golf (1945 von sowj. Soldaten verhaftet, starb in Buchenwald, Grabstätte auf dem Gützer Friedhof), außerdem mehrere Mittel- und Klein-bauern (Berthold, Stein, Böhme, Rößler…). 1945 wird das im Rahmen der Bodenreform enteignete Land (Vorster, Pitzschk, v. Wuthenau) an 79 Neubauern u. Kleinpächter aufgeteilt. 1952 folgt die Gründung der LPG, 1958 die Vereinigung mit der LPG Landsberg. 1973 bilden sich LPG (T/Tier-produktion) Landsberg/Gütz und die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Queis mit den LPGen Landsberg, Sietzsch, Spickendorf und Reußen/Zwebendorf, aus der 1975 die LPG (P/Pflanzenproduktion) Queis hervorgeht. 1990/91 lösen sich die Genossenschaften auf, von Stetten und weitere Pächter bewirtschaften jetzt das Land – ohne Tierproduktion. Ein Gewerbegebiet mit Produktionsstätten, Handelseinrichtungen und Großlager entsteht nach der Wende auf Gützer Flur zwischen B 100, Düringsdorf und Eisenbahn, das die Wirtschaftskraft der Region erhöht und Arbeitsplätze bietet. Auch im Ort siedeln sich nach der Wende kleine Dienstleistungsunternehmen, eine Arztpraxis u.a. an. Der Wohnort Gütz vergrößert sich seit 1945 in drei Etappen erheblich. Um 1950 werden im Rah-men des Bodenreform-Bauprogramms in allen Ortsteilen Neubauernhäuser erbaut. 1955/60 entsteht das Wohngebiet der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG). Nach 1995 erweitert sich das Wohngebiet durch neue Wohnblocks und Einfamilienhäuser bis zum „alten“ Wohnort erheblich, östl. der O.-Quandt-Str. die „Vogelweide“, und westl. davon die „Gützer Höhe“. Hinzu kommen noch ein kleinerer Wohnkomplex an der Spickendorfer Str. und Lückenbebauungen im Ort. Die Sanierung vieler Grundstücke, der Anschluss an die neue Kläranlage in Düringsdorf, Straßen-ausbauten und die Sanierung der 3 Teiche tragen zur Verschönerung des Ortes und damit zu höherer Wohnkultur bei. Gute Einkaufsmöglichkeiten in Landsberg, Peißen und Brehna, Bus- und Bahnverbindung, kurze Wege nach Halle, Leipzig, Bitterfeld, Delitzsch, zum Flughafen Leipzig/Halle u. die Anbindung über die B100 an die Autobahnen A 9/A 14 tragen zur Attraktivität des Ortes bei.