St. Anna und St. Katharina - Kirche am Lutherweg

Das grüne Gütz – Eine Situationsbeschreibung unserer schützenswerten Heimat

 Autor: Friedrich Brinkmann

Wie Perlen an einer Schnur reihten sich in früherer Zeit die Gützer Ortsteile Roitzschgen, Düringsdorf, Heiligendorf, Gütz und  Piltitz entlang des Strengbaches mit seinen Auen, eingebettet von mehreren Wällen und zahlreichen Teichen aus slawischer Vorzeit. „De Bach“ – wie der Strengbach in heimischer Mundart genannt wird, bildete die  Lebensader unseres Dorfes. Diese Bedeutung ist im Laufe der Geschichte verloren gegangen. Einzelne Wiesen, Baumgruppen und Buschwerk, die noch verbliebenen drei Teiche, Hausgärten, Reste alter Plantagen und Felder sind heute noch immer der Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

In den früheren Jahrhunderten dominierten große Gutshöfe, Bauernhöfe, Taglöhnerhäuser und Inspektorenhäuser das Ortsbild, zumeist in respektvoller Entfernung vom Strengbach errichtet. Die seltenen, aber nicht unerheblichen, Hochwasser sind in Vergessenheit geraten, und nach 1945, sowie in einer zweiten Phase nach 1990, wurde die Strengbachaue an einigen Stellen mit Wohnbebauung versehen. Gütz hat sich von einem alten Bauerndorf zu einer Wohnsiedlung gewandelt.

Der Strengbach müht sich heute weitgehend anonym und versteckt durch das Dorf. Selbst in einem neuen Wohngebiet wurde er hinter einem Erdwall versteckt und weitgehend auf seine Einbeziehung in die Gestaltung des Lebensraumes der Bewohner verzichtet. Die Wasserqualität dieses Flachlandbaches hat sich dank der neuen Klärwerke am Oberlauf deutlich verbessert, sie genügt jedoch noch lange nicht den Anforderungen an ein naturnahes Gewässer.

Strengbachwiese

Im Jahr 2008 wurde in Piltitz eine kleine Streuobstwiese angelegt, vielleicht ein erster, kleiner Schritt zur Renaturierung des Strengbaches?

Die meisten Teiche wurden bereits im 19. Jhd. und zu Beginn des 20. Jhd. zugeschüttet, sie hatten ihre Bedeutung für die Bauernhöfe zum Teil verloren, neues Land für Häuser, Gärten und Wege wurde gebraucht. Geblieben sind der Gützer Teich, früher der Lange Teich genannt, der Spritzenteich an der Feuerwehr und der Hirtenteich in Roitzschgen. Sie wurden Dank eines Umweltprogramms der Europäischen Union durch die Stadt Landsberg saniert und zum Teil mit neuer mit Baum- und Buschbepflanzung versehen. Zunehmend entwickeln sie sich wieder zu kleinen Oasen in der Gützer Flur, geben den erhalten gebliebenen Naturdenkmalen (ND) den entsprechenden Rahmen und verbessern die Lebensqualität für die Menschen.

So finden wir unmittelbar zwischen Strengbach und Hirtenteich den höchsten und ältesten Baum der näheren Umgebung, die Bastard – Platane Platanus hybrida Brol. Gepflanzt auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofes Roitzschgen, liebevoll geschützt und gepflegt durch die Grundstückseigentümer, früher Goldstein, jetzt Petruch, bringt es der Gigant auf eine Höhe von ca. 28 m, einen Stammumfang SU von 4,30 m und ein stolzes Alter von fast 170 Jahren.

Zum Bild um den Hirtenteich gehören auch die ca. 100 Jahre alten Zwillingseichen auf dem Gelände ehemals Gut Lösch, SU 3,07 m und 2,60 m.

Der Gützer Friedhof beherbergt zwei weitere Baumriesen, die 1866 gepflanzte Stieleiche (Quercus robur) und die wahrscheinlich 1886 gepflanzte Gemeine Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.) Die Eiche, zwischen dem ehemaligen Pfarrhaus und der ehemaligen Schule stehend, wurde als „Friedenseiche“ gepflanzt, am Ende des so genannten Deutschen Krieges zwischen Preußen und dem Deutschen Bund. Sie hat eine Höhe von 18 m und einen Stammumfang von 3,54 m.

Die Rosskastanie hatte ursprünglich eine Zwillingsschwester, seit ca. 35 Jahren steht sie allein vor unserer Kirche. Als Zeitpunkt der Pflanzung ist die Umgestaltung des Turms und die Geländeeinebnung um den Kirchhof im Jahr 1886 anzunehmen. Der Fotonachweis von 1910 belegt die Annahme.

Damit ist die Gützer Kastanie wohl eines der ältesten Exemplare im Saalekreis. Die Höhe beträgt 21 m und der Stammumfang 3,05 m. Bisher konnte der Baum den Angriffen der Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) erfolgreich widerstehen. Dank gebührt dafür auch den fleißigen Friedhofsgärtnern, welche Jahr für Jahr möglichst alles Laub aufsammeln und entsorgen. Der Baum sollte in die Liste der geschützten Naturdenkmale des Saalekreises aufgenommen werden.

Zu den Naturdenkmalen in Gütz gehört auch der Piltitzer Teufelsstein, s. a. Geschichte von Gütz. Er befindet sich am Dorfeingang in der Otto-Quandt-Straße, etwas vesteckt am Grundstück H. Schmidt, unweit des Lutherweges nach Wölls- Petersdorf. Vier Porphyrhügel prägen die schöne Landschaft um Landsberg, der weithin sichtbare Kapellenberg (148 m) und seine „Kinder“ Pfarrberg (128 m), Spitzberg (136m) (Bild 15)

und  Gützer Berg (129 m). Aufgrund der herausragenden lokalklimatischen, ökologischen und geologischen Bedeutung wurde  mit Verordnung des Saalkreises vom 13.10.1999 das Landschaftsschutzgebiet „Porphyrkuppenlandschaft bei Landsberg“ erklärt. Es umfasst eine Fläche von 276,35 ha. Die beiden letztgenannten Hügel liegen auf Gützer Flur. Sie erstreckt sich zwischen der Bundesstraße 100 und der Bahnlinie Halle – Bitterfeld. Fährt man mit dieser Bahn, so beginnt  die Gützer Flur  bereits mit dem Spitzberg und endet erst mit dem Telekommunikationsmast im Gewerbegebiet Landsberg, an der Grenze zur Brehnaer Flur. Das ist immerhin eine Strecke von ca. 5 km.

Der Spitzberg beherbergt  ein bedeutendes archäologisches Denkmal, die Hügelgrabanlage mit Gräbern der Baalberger Kultur(4000 – 3600 v.Chr.), der Salzmünder Kultur(3600-3300 v. Chr.), der Bernburger Kultur (3300-2800 v. Chr.), der Schnurkeramikepoche 2800-2200 v. Chr.) und der Spätbronzezeit(1300-720 v.Chr.). Ebenso bedeutend ist die Flora und Fauna auf dem Spitzberg. So verweist der Schutzzweck der o.g. Verordnung auf zahlreiche gefährdete, stark gefährdete und sogar vom Aussterben bedrohte Arten. (Bild 16 und 16 a)

Mit ca. 180.000 m² ist der Gützer Berg das größte Naturareal innerhalb des Landschaftsschutzgebietes (LSG) und der Stadt Landsberg überhaupt. Er hat damit in userer waldarmen Region sehr große Bedeutung für die Natur und für die Naherholung unserer Bürger.

Auf dem Gützer Berg befindet sich das 1938 errichtete Rasenlabyrinth, der so genannte “Schwedenring”.  Die Fußstrecke ist 400 m lang, der Durchmesser beträgt 24 m. Er wurde den auch als Wunderburgen bekannten Einrichtungen aus vorgeschichtlicher Zeit nachempfunden und ist ein nettes Ziel für einen Familienspaziergang.

Die Tauchsportler des TC Delphin Halle, www.tc-delphin.de, sorgten im Jahr 2005 für eine Großreinemache-Aktion in und um den Steinbruchsee. Besonders schön ist auch der Blick vom Gützer Berg auf die Stadt Landsberg und Gütz.

Leider sind die Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen an der Vegetation des Landschaftsschutzgebietes erheblich im Rückstand und der Verlust der geschützten Flora und Fauna ist zu befürchten. So schrumpfen die Trockenrasenflächen mangels Beweidung, Stocksetzen von Büschen und extensiver Mahd beträchtlich.

Auch fehlt eine entsprechende Beschilderung des LSG, um das Bewusstsein der Bürger für diesen schützenswerten Naturraum noch stärker zu entwickeln. Besonders um den Steinbruchsee ist die Verunreinigung der Natur, vor allem durch einige Badegäste zu beobachten. Ein kleines, aber sehr schönes Refugium in Gütz, besonders für selten gewordene Vögel, bildet die alte und zum Teil verwilderte Gartenanlage Gut Pitzschk, nördlich von der Florian-Geyer-Straße und der Schillerstraße, direkt am Strengbach gelegen. Begünstigt durch die Abgeschiedenheit und den ausschließlich privaten Zugang, finden wir hier zum Beispiel die Nachtigall, den Grünspecht, die Singdrossel, den Gartenrotschwanz, das Rotkehlchen, den Zaunkönig und gelegentlich den Kuckuck. Auf der gegenüberliegenden Seite des Strengbaches, bis zum alten Kirchweg, sowie westlich von Piltitz, befinden sich die einzig noch verbliebenen Auenwiesen. Der Schutz der Gartenanlage vor Bebauung und Abholzung und der Erhalt der Auenwiesen sind also dringend geboten.

Das überflutete “Grüne Gütz” im Herbst 2010

Nach 1947 und 1994 zeigte der Strengbach im September und jetzt im November 2010 sein “anderes Gesicht”.

Nach tagelangem Regen schwoll der Bach an.  Das Bachbett konnte die zufließenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen. In Gütz wurden viele Grundstücke überschwemmt, Keller der Wohnhäuser liefen voll Wasser und Straßen waren blockiert und mußten gesperrt werden. Besonders stark betroffen war die Ortsfeuerwehr in der Florian Geyer- Straße. Unsere Kirche war nur leicht beeinträchtigt.

Die Aufnahmen entstanden am 29.September und gerade das letzte Bild verdeutlicht die Höhe des Hochwassers im Fahrradtunnel.

Diese Bilder zeigen den Wasserstand am 18. bzw. 19. November 2010 und alle Bürger in Gütz und entlang des Strengbachs hoffen, dass der Regen aussetzt und damit ein weiterer Anstieg des Wasser unterbleibt.